Der Zusammenhang zwischen magnetischer Feldstärke
und magnetischer
Induktion (oder Flußdichte)
ist im Vakuum durch
gegeben. Im materieerfüllten Raum gilt diese Beziehung nicht mehr, denn die
Atome oder genauer deren Elektronen wechselwirken mit dem Magnetfeld und
nehmen dadurch Einfluß auf die Induktion. Dieser Einfluß kann durch einen
Faktor
(oder auch
) berücksichtigt werden, die magnetische
Permeabilität. Die magnetische Permeabilität ist streng genommen ein
dreidimensionaler Tensor zweiter Stufe, aber in der Regel ist die
Anisotropie der magnetischen Eigenschaften klein, so daß man
in guter
Näherung als Skalar betrachten kann. Damit ergibt sich als Zusammenhang
zwischen
und
im materieerfüllten Raum
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Die magnetischen Eigenschaften von Materie können sehr unterschiedlich sein; eine einfache Einteilung, die einem Großteil der bekannten Stoffe genügt, läßt sich mit zwei verschiedenen Erscheinungsformen des Magnetismus vornehmen: Paramagnetismus und Diamagnetismus. Im weiteren werden die magnetischen Eigenschaften von Materie exemplarisch an Festkörpern erklärt.
Die Elektronen der Atome eines Festkörpers besitzen zwei verschiedene
magnetische Momente: ein Bahn- und ein Spinmoment. Abgeschlossene
Elektronenschalen zeichnen sich dadurch aus, daß sie kein resultierendes
magnetisches Moment besitzen, der Gesamtdrehimpuls J verschwindet. Ein
äußeres Magnetfeld verursacht eine Präzession des Drehimpulsvektors der
Elektronenbahnen (LARMOR-Präzession), die eine nach der
LENZschen Regel dem äußeren Feld entgegengesetzte Magnetisierung
induziert. Diese magnetische Erscheinungsform nennt man
Diamagnetismus. Eine diamagnetische Wirkung geht aber nicht nur von
abgeschlossenen Schalen aus, sondern von allen Schalen, in denen nur
gepaarte Elektronen sind, denn bei diesen kompensieren sich die Spins
paarweise. Diamagnetismus ist damit ein reiner Bahndrehimpulseffekt. Durch
die entgegengesetzte Magnetisierung des Materials wird das äußere Feld
geschwächt - die diamagnetische Suszeptibilität ist
mit einer
typischen Größenordnung von 10-5. Sie ist nahezu temperaturunabhängig.
Ist das äußere Feld inhomogen, so wird der Diamagnet aus dem Magnetfeld
herausgedrängt.
Da alle Atome (bis auf Wasserstoff) wenigstens eine abgeschlossene Elektronenschale besitzen, tritt immer eine diamagnetische Suszeptibilität auf, doch ist diese nicht unbedingt die einzige. Diamagnetismus tritt bei vielen Stoffen auf, da auch Atome mit nicht abgeschlossenen Schalen durch chemische Bindung abgeschlossene Molekülorbitale bilden können.
Besitzt ein Atom nicht abgeschlossene Elektronenschalen, so gibt es mehrere verschiedene Möglichkeiten, die Elektronen auf diese Schalen mit dem PAULI-Prinzip verträglich zu verteilen. Nach den HUNDschen Regeln verteilen sich die Elektronen so auf die Niveaus der freien Schale, daß der Gesamtspin S maximiert wird: Die Spins ordnen sich möglichst parallel aus, denn aus der Forderung nach Asymmetrie der Gesamtwellenfunktion folgt aus einem symmetrischen Spinanteil S ein antisymmetrischer Bahnanteil L und damit ein größerer mittlerer Abstand der Elektronen voneinander - die elektrostatische Energie verringert sich. Gleichzeitig sind die Elektronen bestrebt, auch ihren Bahndrehimpuls L zu maximieren. Ist die Schale halbvoll, so ist der Spinanteil maximal und der Bahnanteil verschwindet. Da Spin- und Bahndrehimpuls entgegengesetzt orientiert sind, gilt für den Gesamtdrehimpuls weniger als halbgefüllter Schalen J=L-S. Fügt man einer halbgefüllten Schale weitere Elektronen hinzu, so müssen diese ihren Spin antiparallel zu den vorhandenen Elektronen und damit parallel zu L ausrichten, woraus sich für den Gesamtdrehimpuls J=L+S ergibt. In jedem Fall bleibt ein resultierender Gesamtdrehimpuls J übrig, der sich in einem äußeren Magnetfeld ausrichtet und dieses dadurch verstärkt. Die dadurch hervorgerufene Suszeptibilität nennt man paramagnetisch .
Die Suszeptibilität von Paramagneten ist
(
), und ihr Betrag
ist von derselben Größenordnung wie bei Diamagneten. Anhand der
Temperaturabhängigkeit kann man zwei Arten von Paramagnetismus
unterscheiden: Paramagnetische Metalle besitzen eine nahezu
temperaturunabhängige Suszeptibilität
(PAULI-Suszeptibilität ), die durch das freie Elektronengas
der Leitungselektronen hervorgerufen wird. Bei T=0 sind alle
Energieniveaus bis zur FERMI-Kante mit zwei Elektronen besetzt. Im
äußeren Feld werden die Energien der Bänder der Elektronen je nach
Spinrichtung um
angehoben oder abgesenkt, so daß die
beiden Bänder ungleich besetzt sind und ein Nettospinmoment resultiert. Der
Paramagnetismus von Metallen ist allerdings deutlich kleiner als der
paramagnetischer Kristalle (Größenordnung 10-6), da sich nur die
Spins von Elektronen im Energieintervall
um die
FERMI-Kante herum im Feld ausrichten können. Alle anderen
Elektronen liefern einen diamagnetischen Beitrag, der den paramagnetischen
reduziert. Bei Metallen hoher Ordnungszahl mit vielen Elektronen wie z.B.
Gold, Silber und Kupfer überwiegt sogar der diamagnetische Anteil gegenüber
dem paramagnetischen. Die geringe Temperaturabhängigkeit ist eine Ursache
der geringen Abhängigkeit der Zustandsdichte der Elektronen an der
FERMI-Kante von der Temperatur.
Die andere Form des Paramagnetismus ist hingegen durch eine starke Temperaturabhängigkeit der Suszeptibilität charakterisiert: Da die thermische Bewegung der Atome der Ausrichtung der Spins entgegenwirkt, ist die Suszeptibilität antiproportional zu T (CURIE-Gesetz). Sie tritt beispielsweise bei Ionenkristallen der Übergangsmetalle auf.
Ohne äußeres Magnetfeld sind die nicht abgesättigten Spins eines paramagnetischen Stoffes nicht ausgerichtet, sondern statistisch verteilt. Ein magnetisches Moment entsteht erst beim Anlegen eines Feldes. Das muß aber nicht immer der Fall sein: Gewisse Materialien weisen auch ohne äußeres Feld eine sog. spontane Magnetisierung auf, die durch eine Ordnung der Spinstrukturen verursacht wird. Solche Stoffe nennt man nicht paramagnetisch, sondern man spricht von Ferro-, Antiferro- und Ferrimagnetismus.
Der Unterschied ist in Abb. 1.1 skizziert: Bei Ferromagneten ist Magnetisierung über größere Bereiche gleich und muß über die gesamte Probe nicht notwendigerweise verschwinden. Bei Antiferromagneten sind die Spins vollständig antiparallel ausgerichtet, während bei Ferrimagneten die Spins der Untergitter zwar antiparallel ausgerichtet sind, aber die Untergitter verschieden viele Gitterplätze besitzen, so daß eine über die gesamte Probe resultierende Magnetisierung übrigbleibt.
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Ferromagnetismus ist ein typisches kollektives Phänomen, das nur bei Festkörpern auftritt. Der Aufbau der Atomhülle geschieht hierbei nicht für jedes Atom einzeln, sondern nur für alle Atome des Kristalls zusammen nach den HUNDschen Regeln. Dies ist unmittelbar einsichtig, denn in Festkörpern hat man es nicht mit einzelnen Atomen mit diskreten Energieniveaus zu tun, sondern die Energieniveaus aller Kristallatome bilden eine Bandstruktur. Bei der Auffüllung des Valenzbandes konkurrieren zwei Effekte: Sollen die Spins parallel ausgerichtet sein, so müssen Elektronen in unbesetzte Niveaus oberhalb der FERMI-Kante angehoben werden; dadurch verringert sich die elektrostatische Abstoßung zwischen den Elektronen. Bei einer hohen Zustandsdichte an der FERMI-Kante liegen die Energieniveaus sehr dicht, so daß die Elektronen nur einen kleinen Energiebetrag benötigen, um ihre Spins parallel stellen zu können.
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Die Zustandsdichte hängt unter anderem vom Atomabstand im Kristall ab. Den Zusammenhang zeigt Abb. 1.2: Ist der interatomare Abstand groß, so liegen Energieniveaus an der FERMI-Kante zwar sehr dicht, aber der Energiegewinn durch Parallelstellung der Spins ist nicht von Bedeutung, da auch die COULOMB-Wechselwirkung klein ist (rechte Skizze). In diesem Fall beobachtet man keine Tendenz zur spontanen Magnetisierung, und der Kristall ist paramagnetisch. Ist der Atomabstand hingegen groß, so liegen die Energieniveaus zu weit auseinander, um einen Energiegewinn zu realisieren (linke Skizze). Es gibt nur einen relativ kleinen Bereich interatomarer Abstände (mittlere Skizze), in dem der Energiegewinn durch parallele Ausrichtung der Spins größer ist als der Verlust durch die Anhebung der Energieniveaus.
Im Bändermodell sind die beiden Bänder für spin up - und spin down -Elektronen gegeneinander um die Austauschenergie verschoben und schneiden deshalb die FERMI-Kante an unterschiedlichen Stellen; deshalb sind die beiden spinaufgespaltenen Bänder unterschiedlich besetzt (vgl. Unterabschnitt 1.3.1).
Wie beim Paramagnetismus wirkt auch hier die thermische Bewegung der Atome der strengen Spinkorrelation entgegen, und oberhalb einer Sprungtemperatur, der CURIE-Temperatur TC, verschwindet die spontane Magnetisierung völlig und die Probe zeigt nur noch paramagnetisches Verhalten. Ferromagnetismus tritt nur bei wenigen Elementen auf: Lediglich die Übergangsmetalle Eisen (TC=1043K), Kobalt (1404K) und Nickel (631K), bei denen der Ferromagnetismus auf die 3d-Elektronen zurückzuführen ist, sowie die Lanthaniden Gadolinium (289K), Dysprosium (85K) und Holmium (20K), bei denen er von den 4f-Elektronen verursacht wird, zeigen ferromagnetisches Verhalten [8].
Ferrimagnetismus tritt nur bei einer Klasse von Stoffen auf, den
Ferriten. Die Kristallstruktur der Ferrite zeichnet sich durch zwei
verschachtelte Untergitter mit unterschiedlich vielen Gitterplätzen aus.
Sind die Spins der Atome auf jedem Untergitter streng parallel ausgerichtet
und die der Untergitter antiparallel dazu, so bleibt aufgrund der
unterschiedlichen Anzahl Gitterplätze trotzdem eine Magnetisierung übrig.
Ein typischer Vertreter der ferrimagnetischen Stoffe (es gibt derer recht
viele) ist Magnetit (
bzw.
) mit
-Ionen auf dem
einen und
-Ionen auf dem anderen Untergitter.
Antiferromagnetismus zeichnet sich dadurch aus, daß sich die
Spins benachbarter Atome antiparallel ausrichten und über den gesamten
Kristall exakt kompensieren. Im Kristallgitter wechseln sich spin up -
und spin down -Atome ab, so daß die ,,magnetische Gitterkonstante``
doppelt so groß ist wie die kristallographische.
Makroskopisch ist zwar keine Magnetisierung meßbar, aber die
Suszeptibilität von Antiferromagneten ist - jedenfalls unterhalb einer
gewissen Temperatur, der NéEL-Temperatur TN -
temperaturunabhängig. Oberhalb der NéEL-Temperatur zeigen
Antiferromagneten wieder paramagnetisches Verhalten. Antiferromagnetismus
tritt beispielsweise bei Chrom (TN=308K), Mangan (100K),
Mangan(II)-oxid (110K), Nickel(II)-oxid (525K) und den
Halogeniden der 3d-Ferromagneten auf.
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Die Ausrichtung der Spins muß nicht über den gesamten Kristall gleich sein; vielmehr läßt er sich in Bereiche unterschiedlicher Magnetisierung unterteilen, die Domänen (siehe Abb. 1.4). Innerhalb einer Domäne sind die Spins alle streng ausgerichtet, und benachbarte Domänen besitzen unterschiedliche Spinausrichtungen. Die gesamte Magnetisierung der Probe wird dann von allen Domänen mitbestimmt und kann verschwinden. Ohne äußeres Feld liegt die Magnetisierung in den sog. leichten Richtungen, die bei bcc -Eisen parallel zu den Würfelkanten liegen, während die Raumdiagonalen die schweren Richtungen darstellen.
Um die Ausbildung magnetischer Domänen zu erklären, muß ein genauerer Blick auf die Energiebilanz geworfen werden. Im wesentlichen tragen vier Energieterme zur Gesamtenergie bei, die minimiert werden soll.
Die Kristallenergie oder Anisotropieenergie ist ein Maß für die Abweichung der Magnetisierungsrichtung von einer der leichten Richtungen. Soll die Magnetisierung aus einer leichten Richtung herausgedreht werden, so muß das äußere Feld Arbeit leisten. Sie ist proportional zum Volumen des Körpers.
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Die Wechselwirkung der Spins benachbarter Atome, die Austauschwechselwirkung, ist minimal, wenn die Spins parallel stehen. Die zugehörige Wechselwirkungsenergie beträgt
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Die Spannungsenergie rührt von einem Effekt her, der Magnetostriktion genannt wird. Ist ein Körper einheitlich magnetisiert, so ändert sich in der Magnetisierungsrichtung der Längenausdehnung: Wird sie größer, spricht man von positiver Magnetostriktion, andernfalls von negativer. Bei mechanischer Dehnung eines Körpers positiver Magnetostriktion wird die Dehnungsrichtung zur leichten Richtung, da sich der Körper durch Magnetisierung in dieser Richtung dehnt und damit die Spannung verringert.
Freie Magnetpole an der Oberfläche eines Körpers verursachen Streufelder, deren Energie den Betrag

Mit Hilfe der vier genannten Energien läßt sich die Ausbildung von Domänen begründen. In Abb. 1.6 a) ist der Körper einheitlich in einer leichten Richtung magnetisiert - die Kristallenergie, die Austauschenergie und die Spannungsenergie sind gleich Null. Nicht so die Feldenergie: Da an den gesamten Stirnflächen freie Pole liegen, erfüllt das Streufeld den gesamten Raum außerhalb der Probe.
In Abb. 1.6 b) sind Kristall- und Spannungsenergie immer noch gleich Null, aber die Austauschenergie ist ungleich Null, denn innerhalb der Wand liegen die Spins außerhalb einer leichten Richtung. Dahingegen ist die Feldenergie gegenüber a) stark verringert.
Abb. 1.6 c) zeigt eine ähnliche Situation wie b), allerdings ist die Feldenergie auf Kosten einer höheren Austauschenergie weiter verringert.
Bei einer Domänenstruktur wie in Abb. 1.6 d) sind sowohl Feld- als auch Kristallenergie Null. Zusätzlich tritt jedoch eine Spannungsenergie auf: Durch eine Verlängerung des Körpers in Magnetisierungsrichtung passen die dreieckigen Abschlußbereiche nicht mehr zwischen die Trapeze und es treten mechanische Spannungen auf. Die Spannungsenergie kann jedoch unter Aufbringung einer höheren Wandenergie verringert werden (Abb. 1.6 e)).
Bei Proben, die nur aus einer dünnen Schicht bestehen, gibt es zwei
verschiedene Wandtypen. Liegen zwei Domänen antiparalleler Richtung
nebeneinander, so kann der
-Übergang durch Drehung aus der
Schichtebene heraus (siehe Abb. 1.5, Zeichenebene
entspricht der Schichtebene), oder er kann durch Drehung innerhalb der
Schicht erfolgen. Im ersten Fall spricht man von BLOCH-Wänden, im
letzten von NéEL-Wänden. Bei sehr dünnen Schichten ist der Anteil
der Feldenergie an der gesamten Wandenergie höher als bei dicken, deshalb
ist unterhalb einer gewissen Schichtdicke die Ausbildung einer
NéEL-Wand energetisch günstiger [47].
Unter Magnetooptik versteht man die Wechselwirkung von Licht (im weitesten Sinne, also nicht notwendigerweise nur sichtbarem Licht) mit magnetischer Materie. Obwohl sich in der vorliegenden Arbeit nur eine überwiegend phänomenologische Beschreibung der einzelnen Effekte findet, sei hier kurz skizziert, wie man im Rahmen der MAXWELLschen Theorie zu einer Beschreibung der Magnetooptik gelangt [54].
Grundlagen für die Wechselwirkungen von Licht mit (magnetischer) Materie sind die MAXWELL-Gleichungen in Materie: das COULOMB-Gesetz
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wobei
der Leitfähigkeitstensor ,
der dielektrische Permeabilitätstensor und
der magnetische Permeabilitätstensor ist.
Da die anisotropen Eigenschaften der Materie eine wesentliche Rolle
spielen, kommt man mit rein skalaren Größen zur Charakterisierung der
Materialeigenschaften nicht aus.
Eine Vereinfachung bei dieser Lösung der Feldgleichungen für bestimmte Randbedingungen ergibt sich aus der Annahme, daß sich Licht im Festkörper wie eine ebene Welle ausbreitet
In diesem Fall kann man durch Betrachtung der entsprechenden FOURIER-Transformierten die Ableitungsoperatoren durch einfachere ersetzen
Eine weitere, durch die physikalische Realität begründete Annahme ist, daß
der magnetische Permeabilitätstensor diagonal ist, d.h.
. Durch geeignete Wahl der Koordinatensysteme
kann man erreichen, daß die Materialtensoren einfache Symmetrie aufweisen.
Setzt man dies in die MAXWELL-Gleichungen ein und kombiniert diese
geeignet, so erhält man eine ,,einfache`` Eigenwertgleichung, deren Lösung
die Dispersionsrelation für die Wellenausbreitung und damit den Einfluß der
Magnetisierung auf die Ausbreitung von Licht liefert.
Die magnetooptischen Effekte mit eigenen Namen werden im folgenden beschrieben.
Der FARADAY-Effekt wurde von MICHAEL FARADAY 1845
bei der Suche nach einer Wechselwirkung zwischen Licht und dem magnetischen
Feld entdeckt [73]. Er beobachtete die Drehung der
Polarisationsebene linear polarisierten Lichts beim Durchlaufen von Medien,
an denen ein Magnetfeld parallel zur Einfallsrichtung
des Lichts
anliegt (Abb. 1.7). Der FARADAY-Effekt ist somit ein
magnetooptischer Effekt, der in Transmission beobachtet wird. Der Betrag
des Drehwinkels ist proportional zur durchstrahlten Länge des Mediums und
zur Stärke des Magnetfeldes.
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Der FARADAY-Effekt läßt sich qualitativ einfach erklären, wenn man
die linear polarisierte Lichtwelle als Überlagerung einer rechts-
(
) und einer linkszirkular (
) polarisierten Welle
beschreibt. Die zirkularen Anteile besitzen dann eine Helizität parallel
bzw. antiparallel zu
. Der rotierende elektrische Feldvektor zwingt
die elastisch gebundenen Elektronen des Mediums auf eine Kreisbahn.
Senkrecht zur Kreisbahn liegt aber das magnetische Feld an und ruft eine
Radialkraft hervor, die den Umlaufradius verkleinert oder vergößert.
Hieraus ergeben sich zwei Einstellmöglichkeiten für das elektrische
Dipolmoment, je nach Richtung des Magnetfeldes - oder je nach
Umlaufrichtung der Elektronen und damit der Helizität des einfallenden
Lichtes. Dies erklärt die Existenz von unterschiedlichen Brechungsindizes
für
- und
-Licht: Die beiden Wellen breiten sich
unterschiedlich schnell aus und können außerhalb des Mediums (wo ihre
Ausbreitungsgeschwindigkeit gleich ist) wieder zu einer linear
polarisierten Welle zusammengesetzt werden - aber mit einer anderen
Phasenlage! Diese Änderung der Phasenbeziehung der beiden zirkular
polarisierten Wellen bewirkt die beobachtete Drehung der
Polarisationsebene. Es sei noch bemerkt, daß das Medium nicht
notwendigerweise ein Festkörper sein muß: Insbesondere in der Plasmaphysik
ist der FARADAY-Effekt bei der Wellenausbreitung in Plasmen von
Bedeutung.
Es gibt noch einige weitere magnetooptische Effekte bei einem Magnetfeld longitudinal zur Ausbreitungsrichtung. Ist das untersuchte Medium paramagnetisch, so nennt man die Drehung der Polarisationsebene BECQUEREL-Effekt. Auch beim Durchstrahlen von sehr dünnen Schichten sehr reiner Ferromagnetika wird eine außerordentliche Drehung der Polarisationsebene beobachtet und diese nach ihrem Entdecker KUNDT-Effekt genannt. Bei stark verdünnten Gasen, bei denen die normale Drehung unmeßbar klein ist, wird in der Nähe von Absorptionskanten ebenfalls eine anomal große Drehung der Polarisationsebene beobachtet. Dies ist der MACALUSO-CORBINO-Effekt [44].
Betrachtet man ein transparentes Medium, das von einem Lichtbündel
durchstrahlt wird, und legt ein magnetisches Feld senkrecht zum
Lichtstrahl an (siehe Abb. 1.8
),
so unterscheidet man drei Effekte, die eine lineare Doppelbrechung des
Mediums verursachen: den VOIGT-Effekt, den
COTTON-MOUTON-Effekt und den MAJORANA-Effekt .
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Als VOIGT-Effekt bezeichnet man die in unmittelbarer
Umgebung scharfer Absorptionslinien beobachtete lineare Doppelbrechung
transversal zur Lichtrichtung magnetisierter Körper [72]. Dabei
besitzt p-polarisiertes Lich einen anderen
-Vektor und damit einen
anderen Brechungsindex als s-polarisiertes. Der VOIGT-Effekt
wurde von WOLDEMAR VOIGT 1898 als Begleiterscheinung des
ZEEMAN-Effektes in transversaler Beobachtungsrichtung
vorausgesagt, berechnet [83] und kurz darauf von ihm experimentell
bestätigt.
Als COTTON-MOUTON-Effekt bezeichnet man die Eigenschaft homogener (vorwiegend organischer) Flüssigkeiten, in homogenen transversalen Magnetfeldern Doppelbrechung zu zeigen [72]. Er wurde von A. COTTON und H. MOUTON 1907 an Nitrobenzol entdeckt [9] und kurz darauf auch bei weiteren Organika [10] bestätigt.
Der MAJORANA-Effekt schließlich tritt bei kolloiden Lösungen auf, insbesondere von ferromagnetischen Verbindungen (Eisen(II)- und Eisen(III)-hydroxid). Der MAJORANA-Effekt wird trotz seiner etwas ,,exotischen`` Randbedingungen hier erwähnt, da kolloide Lösungen nicht nur Doppelbrechung zeigen, sondern auch magnetischen Dichroismus [72] (siehe Unterabschnitt 1.3) - MAJORANA nannte dies allerdings noch ,,bimagnetische Rotation der Polarisationsebene`` [45].
Im allgemeinen Fall eines Magnetfeldes unter beliebigem Winkel zur Einfallsrichtung des Lichtes treten in Transmission sowohl FARADAY-Rotation als auch die transversalen magnetooptische Effekte auf; die Faraday-Rotation ist aber in den meisten Fällen dominant.
Der magnetooptische KERR-Effekt oder MOKE ist im Gegensatz zu den drei bisher genannten magnetooptischen Effekten ein Effekt, der nicht in Transmission, sondern in Reflexion beobachtet wird, im Gegensatz zum elektrooptischen KERR-Effekt, der gewissermaßen das elektrostatische Analogon zum COTTON-MOUTON-Effekt darstellt. MOKE ist eigentlich ein Oberbegriff für eine ganze Reihe verschiedener Beobachtungen, die sich durch Symmetriebetrachtungen auf drei Fälle reduzieren lassen. Obwohl JOHN KERR 1876 nur einen der drei Fälle entdeckt und beschrieben hat (den man heute den polaren nennt), tragen heute alle drei seinen Namen. Die anderen beiden sind der longitudinale (oder meridonale) KERR-Effekt und der transversale (oder äquatoriale) KERR-Effekt. KERR beschrieb die Drehung der Polarisationsebene von linear polarisiertem Licht an den Polschuhen eines Magneten bzw. eines ferromagnetischen Metallspiegels [36,35]. Zunächst war unklar, ob die Änderung der Polarisation im Spiegel oder in der dünnen Luftschicht über dem Spiegel entsteht. FITZGERALD konnte jedoch 1877 zeigen [19], daß eine dünne nichtferromagnetische Schicht auf dem Spiegel den Effekt zum Verschwinden bringt.
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Eine sinnvolle Unterscheidung der KERR-Effekte trifft man nach der Magnetisierungsrichtung des Mediums: Diese kann in der Einfallsebene (polarer und longitudinaler KERR-Effekt) oder senkrecht dazu liegen (transversaler KERR-Effekt).
Bei der Reflexion von senkrecht (s) oder parallel (p) zur Einfallsebene linear polarisierten Lichtes an einer unmagnetischen Metalloberfläche bleibt die Polarisationsrichtung nach der Reflexion erhalten. Ist eine Magnetisierung der spiegelnden Fläche in der Einfallsebene vorhanden, so erhält die in der Fläche angeregte Schwingung der elastisch gebundenen Elektronen durch die Lorentzkraft eine Komponente normal (bei p-Licht) oder parallel (bei s-Licht) zur Einfallsebene. Diese wiederum ruft eine zusätzliche Komponente in der reflektierten Welle hervor, die KERR-Komponente genannt wird und für eine elliptische Polarisation des reflektierten Lichtes verantwortlich ist. Dies nennt man den polaren und den longitudinalen KERR-Effekt. Typischerweise ist die relative Intensität der KERR-Komponente von der Größenordnung 10-3.
Im Gegensatz dazu tritt der transversale KERR-Effekt nur auf, wenn das einfallende Licht elliptisch polarisiert ist - nach der Reflexion ändert sich die Schwingungsellipse des Lichtes.
Die allgemeinste Anordnung läßt sich somit auf die drei genannten Fälle zurückführen. Die magnetooptischen Konstanten lassen sich jedoch experimentell allein aus der polaren Geometrie bestimmen.
Heute bezeichnet man eine Vielfalt von Effekten dieser Art als Dichroismus. Ist der Dichroismus von der Magnetisierung der Probe abhängig, so spricht man von magnetischem Dichroismus. Auch davon gibt es eine Vielzahl verschiedener, beispielweise die Abhängigkeit der Photoelektronenausbeute einer magnetischen Probe von Magnetisierung oder Polarisation des einfallenden Lichts oder die Asymmetrie der Photoelektronenemission über den Halbraum einer magnetischen Probe (s.u.).
Der magnetische Dichroismus wird nicht nur bei Anregung der Valenzelektronen (die ja im wesentlichen den beschriebenen magnetooptischen Effekten entspricht), sondern auch bei Anregungen von Elektronen der inneren Schalen mit zirkular polarisierter harter Röntgenstrahlung beobachtet. Erstmals wurde 1987 eine Abhängigkeit der Absorption von der Helizität der Röntgenstrahlung an der K-Kante von magnetisierten Eisenproben gemessen [70]. Aufgrund der hohen Eindringtiefe der harten Röntgenstrahlung konnte der Absorptionskoeffizient durch Transmissionsmessungen bestimmt werden; dabei wurden die Elektronen der K-Schale in freie Niveaus des Leitungsbandes angeregt.
Heute kennt man viele verschiedene Arten von magnetischem Dichroismus, die bei unterschiedlichen Magnetisierungsrichtungen, unterschiedlichen Polarisationen (linear parallel, linear senkrecht oder zirkular) oder unterschiedlichen Winkeln in der Photoemission beobachtet werden.
Nachdem 1987 der magnetische Zirkulardichroismus als Abhängigkeit des Absorptionskoeffizienten von der Magnetisierung gemessen werden konnte, wurde 1990 der magnetische Zirkulardichroismus bei der Photoemission aus dem 2p-Niveau von Eisen nachgewiesen [6].
Der magnetische Zirkulardichroismus tritt bei den in Abb.1.10
gezeigten Geometrien auf. Der Absorptionskoeffizient unterscheidet sich für
Magnetisierungen parallel und antiparallel zum
-Vektor des anregenden
Lichtes. Da die Anzahl der emittierten Photoelektronen proportional
zum Absorptionskoeffizienten ist, läßt sich durch Messung des totalen
Photo- bzw. Probenstromes der magnetische Zirkulardichroismus nachweisen.
Nur die Projektion des v k-Vektors auf die Magnetisierungsebene ist
wirksam, und deshalb unterscheiden sich bei streifendem Lichteinfall
Magnetisierungen in
-Richtung (parallel zur Probenoberfläche in
Abb. 1.10 oben) und bei senkrechtem Einfall in
-Richtung
(senkrecht zur Probenoberfläche in Abb. 1.10 unten) im
Proben- bzw. Photostrom.
Aus Symmetriegründen ist es äquivalent, ob die Probe ummagnetisiert oder ob die Helizität des anregenden Lichtes umgekehrt wird. Dies ist für die Photoemissionsmikroskopie sehr praktisch, da sich der magnetische Kontrast (siehe Unterabschnitt 2.3.6) sowohl beim Ummagnetisieren als auch bei Umkehrung der Helizität invertiert, sich aber in letzerem Fall die Domänenstruktur nicht ändert, während bei einer Ummagnetisierung eine exakte Invertierung der Domänen höchst unwahrscheinlich ist.
Je nach Stärke des magnetische Kontrasts, können nicht nur antiparallele
Magnetisierungsrichtungen sichtbar gemacht werden, sondern auch
-Drehungen oder andere Lagen der Magnetisierungsrichtungen. In
jedem ist der magnetische Kontrast bei Lichteinfalls parallel zu
maximal.
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Eine einfache Erklärung des magnetischen Zirkulardichroismus läßt sich bei
einer genaueren Betrachtung des Anregungsvorganges geben. In
Abb. 1.11 wird ein 2p1/2-Elektron eines annähernd parallel
zur Ausbreitungsrichtung magnetisierten Ferromagneten von einem
rechtszirkular polarisierten (d.h. der elektrische Feldvektor rotiert im
Uhrzeigersinn, wenn man dem Photon ,,hinterherschaut``) Photon in das
3d-Band angeregt. Im Bändermodell sind das spin up - und das
spin down -Band aufgrund der Austauschwechselwirkung aufgespalten
und um den Betrag der Austauschaufspaltung gegeneinander verschoben.
Da alle Zustände bis zur FERMI-Energie besetzt (für
) und
darüber alle frei sind, gibt es mehr spin up - als
spin down -Elektronen - daher besitzt die Probe ein magnetisches
Moment. Durch das anregende rechtszirkular polarisierte Photon wird ein
spin down -Elektron in das unbesetzte spin down -Band oberhalb
der FERMI-Energie angehoben, während ein linkszirkular
polarisiertes Photon ein spin up -Elektron in das unbesetzte
spin up -Band anregen würde.
Da im spin down -Band mehr freie Plätze sind als im
spin up -Band, ist nach FERMIS goldener Regel auch der
Absorptionskoeffizient von rechtszirkular polarisierter Strahlung größer als
von linkszirkular polarisierter - die Absorption hängt von der Helizität
des Photons (seinem Spin) ab.
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Bei einer detaillierten Untersuchung des Eisen-3p-Niveaus wurde ein
weiterer magnetischer Dichroismus entdeckt [63], der
magnetische lineare Dichroismus in der Winkelverteilung oder MLDAD
(m agnetic l inear d ichroism in a ngular
d istribution ). Die Geometrie, bei der dieser Effekt nachgewiesen
werden kann, entspricht der des transversalen KERR-Effektes, bei
dem allerdings das reflektiert Licht detektiert wird, während die
Photoemission in engem Zusammenhang mit dem absorbierten Licht steht.
Regt man die 3p-Elektronen mit p-polarisierten
Photonen an, so unterscheiden sich die winkelaufgelösten Emissionsspektren
für Magnetisierungsrichtungen parallel und antiparallel zu
(siehe Abb. 1.12), d.h. die Linienform hängt vom Vorzeichen der
Magnetisierung ab. Der MLDAD kann nur bei Geometrien beobachtet
werden, bei denen der
-Vektor des Lichtes, der elektrische Feldvektor
und die Magnetisierung
nicht in einer Ebene liegen.
Die Gesamtausbeute der Photoelektronen (total yield ) hängt hingegen
nicht vom Vorzeichen der Magnetisierung ab; deshalb kann dieser Effekt nicht
als Kontrastmechanismus beim (winkelintegrierenden) Photoemissionsmikroskop
dienen. Eine Erklärung dieses Effekts findet man z.B. in [17,61,79].
Regt man statt mit p-polarisiertem mit zirkular polarisiertem Licht an, so ergibt sich ebenfalls eine Abhängigkeit der Winkelverteilung der Photoemissionsspektren von der Magnetisierungsrichtung der Probe. Dies ist der magnetische Zirkulardichroismus in der Winkelverteilung oder MCDAD [32].
Auch bei der Anregung mit linear polarisiertem Licht kann der
Absorptionskoeffizient vom Magnetisierungszustand der Probe abhängen -
genauer hängt er von der Lage des Magnetisierungsvektor relativ zum
elektrischen Feldvektor des Lichtes ab. Dieser kann parallel oder senkrecht
zur Magnetisierung schwingen; demgemäß hängt die Photoemission nicht vom
Vorzeichen der Magnetisierung, sondern von der Orientierung relativ zum
elektrischen Feldvektor des Lichts ab. Der Effekt kann sowohl mit s- als
auch mit p-Licht beobachtet werden (siehe Abb. 1.13).
Der MLD wurde erstmals bei der Absorption an der M5-Kante von
Eisen-Terbium-Granat gemessen [42].
Aufgrund von allgemeinen Symmetrieüberlegungen wurde 1991 der MLD für
s-Licht in der Photoemission vorausgesagt [77,78],
und er wurde 1993 bei der Photoemission aus dem Eisen-3p-Niveau bei
Anregung mit s-polarisierter Strahlung (90eV) beobachtet
[63,62]. Die (winkelintegrierten) Photoemissionsspektren
unterscheiden sich für Magnetisierungen senkrecht oder parallel zum
-Vektor des anregenden Lichtes.
Ein weiterer linearer Dichroismus wurde 1995 entdeckt [31].
Die Geometrie, bei der dieser gemessen werden kann, entspricht im
wesentlichen der des MLDADs (siehe Abb. 1.12), aber er wurde nur
bei resonanter Anregung der Eisen-3p-Kante beobachtet, während der
MLDAD auch bei Anregung der Elektronen in quasifreie Zustände hoch oberhalb
der FERMI-Energie auftritt. Der ,,NMLD`` ermöglicht es,
entgegengesetzte Magnetisierungen senkrecht zu
und
zu anhand
ihrer Photoemission zu unterscheiden. Obgleich dieser Effekt nicht
besonders stark ist (Die Asymmetrien liegen bei etwa einem Prozent.), kann
er dennoch als Kontrastmechanismus beim Photoemissionsmikroskop verwendet
werden, wenn man lange Belichtungszeiten (einige Minuten) in Kauf nimmt und
Differenzbilder betrachtet (siehe Abschnitt 2.4).